Leitfaden

Review-Frameworks: PICO, SPIDER, PCC & Co. erklärt

Ein Framework zerlegt deine Reviewfrage in klar benannte Bausteine. Aus diesen Komponenten werden direkt Suchbegriffe und Ein-/Ausschlusskriterien. Welches Schema passt, hängt vom Fragetyp ab – Wirksamkeit, qualitativ, Scoping, Diagnostik. Dieser Überblick stellt die wichtigsten Frameworks gegenüber.

8 Min. Lesezeit Aktualisiert Juni 2026 10+ Frameworks

Ein Framework zerlegt die Reviewfrage in klar benannte Bausteine. Der praktische Nutzen: Aus den Komponenten werden direkt Suchbegriffe und Ein- und Ausschlusskriterien. Die Wahl des richtigen Schemas hängt vom Fragetyp ab – eine quantitative Wirksamkeitsfrage braucht eine andere Struktur als eine qualitative, ein Scoping Review eine andere als eine Diagnostikfrage.

Überblick: die wichtigsten Frameworks

Die folgende Tabelle stellt zehn gängige Frameworks gegenüber – mit den ausgeschriebenen Komponenten und dem Fragetyp, für den sie gedacht sind. Kein Schema ist „richtiger“ als ein anderes; entscheidend ist die Passung zwischen Buchstaben und deiner konkreten Frage.

FrameworkKomponentenWofür geeignet
PICOPopulation, Intervention, Comparison, Outcomequantitative Wirksamkeits-/Therapiefragen
PICOS / PICOTPICO + Study design / + Timewenn Studiendesign oder Zeitraum die Auswahl mitbestimmen
PEOPopulation, Exposure, OutcomeExpositions-/Beobachtungsfragen
SPIDERSample, Phenomenon of Interest, Design, Evaluation, Research typequalitative & Mixed-Methods-Fragen
SPICESetting, Perspective, Intervention/Interest, Comparison, EvaluationDienstleistungs-/Evaluationsfragen
PCCPopulation, Concept, ContextScoping Reviews (JBI)
PIRDPopulation, Index test, Reference test, Diagnosis of interestDiagnosegenauigkeit
PESICOPerson, Environment, Stakeholders, Intervention, Comparison, OutcomeEntscheidungs-/Versorgungsfragen
ECLIPSEExpectation, Client group, Location, Impact, Professionals, ServiceGesundheitspolitik/Management
CoCoPopCondition, Context, PopulationPrävalenz-/Inzidenzfragen (JBI)

PICO – und die Erweiterungen PICOS/PICOT

PICO steht für Population, Intervention, Comparison und Outcome und ist das verbreitetste Schema für quantitative Wirksamkeits- und Therapiefragen. Brauchst du das Studiendesign als Auswahlkriterium, erweiterst du zu PICOS (+ Study design); soll ein Beobachtungszeitraum mit hinein, nutzt du PICOT (+ Time). Die vier (bzw. fünf) Komponenten lassen sich direkt in eine Suche übersetzen: Pro Konzept sammelst du Synonyme und Schlagwörter (z. B. MeSH-Terme) und leitest daraus die Suchbegriffe ab.

Beispiel: „Senkt ein strukturiertes Bewegungsprogramm (I) im Vergleich zu üblicher Versorgung (C) bei älteren Erwachsenen mit Hypertonie (P) den systolischen Blutdruck (O)?“ Jeder Klammerbaustein liefert einen Suchblock und zugleich ein Ein-/Ausschlusskriterium.

SPIDER – für qualitative Fragen

SPIDER wurde für qualitative und Mixed-Methods-Fragen entwickelt, bei denen PICO zu eng greift. Die Buchstaben stehen für Sample, Phenomenon of Interest, Design, Evaluation und Research type. Statt einer Intervention mit messbarem Outcome rückt das untersuchte Phänomen – das Erleben, die Sichtweise, die Erfahrung – in den Mittelpunkt.

Beispiel: „Wie erleben pflegende Angehörige (Sample) die häusliche Versorgung von Demenzpatienten (Phenomenon of Interest), untersucht in Interviewstudien (Design), hinsichtlich Belastung und Bewältigung (Evaluation), in qualitativen Arbeiten (Research type)?“

PCC – für Scoping Reviews

PCC steht für Population, Concept und Context und ist das vom Joanna Briggs Institute (JBI) empfohlene Schema für Scoping Reviews. Es ist bewusst weiter gefasst als PICO: Ein Scoping Review kartiert ein Themenfeld, identifiziert Wissenslücken oder klärt Begriffe, statt eine eng umrissene Wirksamkeitsfrage zu beantworten. „Concept“ benennt das zentrale Konzept, „Context“ den Rahmen (Setting, geografisch, organisatorisch).

Beispiel: „Welche digitalen Selbstmanagement-Werkzeuge (Concept) werden für Menschen mit Diabetes Typ 2 (Population) in der ambulanten Primärversorgung (Context) beschrieben?“ Wie sich ein solches Review insgesamt aufbaut, zeigt die Schritt-für-Schritt-Anleitung.

PEO – für Expositionsfragen

PEO steht für Population, Exposure und Outcome und passt zu Expositions- und Beobachtungsfragen, bei denen keine Intervention im engeren Sinn vorliegt. Statt einer gezielten Maßnahme betrachtest du eine Exposition – etwa einen Risikofaktor, eine Belastung oder eine Lebensbedingung – und ihren Zusammenhang mit einem Ergebnis.

Beispiel: „Ist bei Beschäftigten im Schichtdienst (Population) die nächtliche Lichtexposition (Exposure) mit einem erhöhten Risiko für Schlafstörungen (Outcome) assoziiert?“ Auch hier liefert jeder Baustein einen Suchblock und ein Auswahlkriterium.

Welches Framework passt?

Als grobe Entscheidungshilfe nach Fragetyp:

Das Framework ist Mittel zum Zweck. Entscheidend ist nicht der „richtige“ Akronym-Klassiker, sondern eine beantwortbare, eindeutige Frage. Wenn ein Buchstabe für deine Frage keinen Sinn ergibt, lass ihn weg – ein erzwungener Baustein hilft niemandem.

Frameworks in lets Review

lets Review bietet im Setup über 20 Frameworks zur Auswahl – darunter PICO, SPIDER, PCC, PIRD, COSMIN und PESICO – und leitet aus dem gewählten Schema automatisch die Kriterienfelder und den Screening-Prompt ab. So bestimmt die Struktur deiner Frage unmittelbar, wonach gesucht und wogegen gescreent wird. Eine KI-Empfehlung schlägt dir anhand deiner Eingaben das passende Framework vor und kann dabei Komponenten weglassen, wenn sie nicht passen – etwa PICO ohne Comparison, wenn deine Frage keinen Vergleich enthält.

Wie sich die Frameworks in den Gesamtablauf einfügen, zeigt die Anleitung zum systematischen Review; den transparenten Auswahlprozess dokumentierst du am Ende im PRISMA-2020-Flussdiagramm.

Unsicher, welches Schema passt? Lege in lets Review ein Review an, beschreibe deine Frage in Schritt 1 und lass dir das Framework samt Kriterienfeldern vorschlagen – anpassen kannst du es jederzeit selbst.

Häufige Fragen

Was bedeutet PICO?

PICO steht für Population, Intervention, Comparison und Outcome. Das Framework zerlegt eine klinische Wirksamkeits- oder Therapiefrage in vier benannte Bausteine, aus denen sich direkt Suchbegriffe und Ein-/Ausschlusskriterien ableiten lassen. Es ist das verbreitetste Schema für quantitative Interventionsfragen.

Was ist der Unterschied zwischen PICO und PICOS?

PICOS erweitert PICO um ein S für Study design – also den Studientyp, der für die Einschlussentscheidung relevant ist (z. B. nur randomisierte kontrollierte Studien). Die Variante PICOT ergänzt stattdessen ein T für Time (Beobachtungszeitraum). Du nutzt die Erweiterung, wenn Studiendesign oder Zeitraum die Auswahl mitbestimmen.

Welches Framework nehme ich für ein Scoping Review?

Für Scoping Reviews ist PCC (Population, Concept, Context) das übliche Schema, empfohlen vom Joanna Briggs Institute (JBI). Es ist bewusst weiter gefasst als PICO und passt zur Bestandsaufnahme eines Themenfelds, bei der es nicht um eine eng umrissene Wirksamkeitsfrage geht.

Kann KI das passende Framework vorschlagen?

Ja. In lets Review schlägt eine KI-Empfehlung anhand deiner Eingaben aus Schritt 1 das passende Framework vor und kann dabei Komponenten weglassen, wenn sie zu deiner Frage nicht passen (z. B. PICO ohne Comparison). Aus dem gewählten Framework werden anschließend Kriterienfelder und der Screening-Prompt abgeleitet.

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