PRISMA steht für „Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses“. Entscheidend ist: Es ist eine Berichts-Leitlinie, keine Methode. PRISMA schreibt vor, was du transparent berichten musst – nicht, wie du Suche, Screening und Synthese durchführst. Die aktuelle Fassung PRISMA 2020 (Page et al., BMJ 2021) löst die Version von 2009 ab.
Was ist PRISMA 2020?
PRISMA 2020 ist ein Satz von Mindestangaben, die ein systematisches Review enthalten sollte, damit Leserinnen und Leser dessen Planung, Durchführung und Ergebnisse vollständig und transparent nachvollziehen können. Die Leitlinie sagt dir nicht, welche Datenbanken du durchsuchen oder welches Bias-Instrument du wählen sollst – das ist Sache deiner Methodik. Sie stellt nur sicher, dass am Ende jede relevante Entscheidung berichtet ist.
Praktisch ist PRISMA 2020 der De-facto-Standard: Zahlreiche Fachzeitschriften verlangen bei der Einreichung eines systematischen Reviews eine ausgefüllte PRISMA-Checkliste und ein passendes Flussdiagramm. Ein PRISMA-konformer Bericht ist damit Teil des Gesamtablaufs – siehe die Anleitung zum systematischen Review, in der PRISMA am Ende der Synthese steht.
Was ist neu gegenüber 2009?
PRISMA 2020 ist keine kosmetische Aktualisierung, sondern spiegelt Fortschritte in Methodik und Berichtspraxis wider. Die wichtigsten Änderungen gegenüber 2009:
- Erweiterte 27-Punkte-Checkliste mit präziser formulierten Items und Unterpunkten.
- Eigene Abstract-Checkliste mit 12 Punkten – das Abstract wird damit erstmals systematisch abgedeckt.
- Überarbeitetes Flussdiagramm, das nun auch Register und andere Methoden wie Zitations- und Websuche abbildet.
- Genauere Angaben zur Suche – etwa die vollständige Suchstrategie je Quelle und das Datum.
- Detailliertere Auswahl- und Synthesemethoden, inklusive Umgang mit fehlenden Daten und Heterogenität.
- Bias- und Certainty-Bewertung als eigene, klar benannte Berichtspunkte (Risk of Bias und z. B. GRADE).
Die PRISMA-2020-Checkliste (27 Punkte)
Die Checkliste ist entlang der üblichen Abschnitte einer wissenschaftlichen Arbeit gegliedert. Du musst nicht alle 27 Items auswendig kennen – wichtig ist, welche Abschnitte sie abdeckt und welche Angaben sie jeweils verlangt:
- Title – Kennzeichnung des Berichts als systematisches Review.
- Abstract – strukturierte Zusammenfassung gemäß der separaten Abstract-Checkliste.
- Introduction – Rationale (Begründung des Reviews) und Objectives (Fragestellung, oft als PICO o. Ä.).
- Methods – der umfangreichste Block: Eligibility criteria, Information sources, Search strategy, Selection process, Data collection process, Data items, Study risk of bias assessment, Effect measures, Synthesis methods, Reporting bias assessment und Certainty assessment.
- Results – Study selection (inkl. Flussdiagramm), Study characteristics, Risk of bias, Results of individual studies, Results of syntheses, Reporting biases und Certainty of evidence.
- Discussion – Einordnung, Limitationen und Implikationen der Ergebnisse.
- Other information – Registration & protocol, Support (Finanzierung), Competing interests sowie Availability of data, code & other materials.
Die Frameworks für die Fragestellung in der Introduction sind nicht durch PRISMA festgelegt – mehr dazu unter Review-Frameworks: PICO, SPIDER, PCC & Co.
Die offizielle Checkliste, die Abstract-Checkliste und ausführliche Erläuterungen mit Beispielen findest du kostenlos auf prisma-statement.org. Nutze diese Originalvorlagen für deine Einreichung.
Das PRISMA-2020-Flussdiagramm
Das Flussdiagramm visualisiert, wie viele Treffer in jeder Phase ein- und ausgeschlossen wurden. Es gliedert sich in drei Phasen:
Identification
Hier erfasst du alle Records identified – getrennt nach Datenbanken und Registern. Direkt darunter dokumentierst du die Records removed before screening: Dubletten, durch Automatisierungstools als ungeeignet markierte Datensätze sowie aus anderen Gründen entfernte Records.
Screening
Diese Phase bildet den eigentlichen Auswahlprozess ab: Records screened und davon Records excluded (Titel-/Abstract-Ebene); anschließend Reports sought for retrieval und Reports not retrieved (nicht beschaffbare Volltexte); schließlich Reports assessed for eligibility und Reports excluded – Letztere stets mit Angabe der Gründe.
Included
Am Ende stehen die Studies included im Review sowie die Reports of included studies – die Unterscheidung trägt dem Umstand Rechnung, dass eine Studie über mehrere Publikationen berichtet sein kann.
Neben der Basisvariante gibt es eine erweiterte Form mit einer zusätzlichen Spalte für „andere Methoden“ – also Treffer aus Websites, Zitationssuche oder von Expertinnen und Experten, die nicht über die Datenbankrecherche gefunden wurden.
Die Zahlen im Flussdiagramm und im Fließtext müssen exakt übereinstimmen – jede ausgeschlossene und eingeschlossene Studie muss sich über die drei Phasen hinweg lückenlos verrechnen lassen. Abweichungen sind ein häufiger Grund für Rückfragen im Peer-Review.
PRISMA-Erweiterungen
Für bestimmte Reviewtypen und Berichtsteile existieren eigene, abgestimmte Erweiterungen der Leitlinie:
- PRISMA-P – für Protokolle systematischer Reviews (Planungsdokument vor Studienbeginn).
- PRISMA-ScR – für Scoping Reviews mit explorativer, kartierender Logik.
- PRISMA-S – für die ausführliche Berichterstattung der Suche (Search Reporting).
- PRISMA-DTA – für Reviews zur diagnostischen Testgenauigkeit (Diagnostic Test Accuracy).
Flussdiagramm und Bericht automatisch erzeugen
lets Review zählt die Treffer in jeder Phase – von der Identifikation über die Dublettenentfernung bis zu den ein- und ausgeschlossenen Volltexten – und erzeugt daraus ein passendes PRISMA-2020-Flussdiagramm samt dokumentierter Ausschlussgründe. Jede Screening- und Adjudikationsentscheidung landet im Audit-Trail, sodass Diagramm und Bericht reproduzierbar zu deinen Daten passen. Den Bericht exportierst du als CSV, Excel, JSON oder Word.
So müssen die Phasenzahlen nicht von Hand abgeglichen werden: lets Review hält Flussdiagramm und Text automatisch konsistent und liefert die Ausschlussgründe gleich mit.
Häufige Fragen
Ist PRISMA verpflichtend?
PRISMA schreibt keine Methode vor und ist keine formale Pflicht. Viele Fachzeitschriften verlangen es jedoch als Berichtsstandard für systematische Reviews und Metaanalysen, und Empfehlungen wie die der ICMJE sowie das Cochrane-Umfeld setzen PRISMA-konforme Berichterstattung voraus. Praktisch bedeutet das: Ohne PRISMA-konformen Bericht riskierst du Rückfragen im Peer-Review oder eine Ablehnung.
Worin unterscheiden sich PRISMA 2009 und 2020?
PRISMA 2020 (Page et al., BMJ 2021) erweitert die Checkliste von 27 Items mit präziseren Vorgaben zu Suche, Auswahl- und Synthesemethoden, Bias- und Certainty-Bewertung. Neu sind eine eigene Abstract-Checkliste mit 12 Punkten und ein überarbeitetes Flussdiagramm, das Register und andere Methoden wie Zitations- und Websuche berücksichtigt. Inhaltlich verlangt 2020 deutlich mehr Transparenz als die Version von 2009.
Brauche ich PRISMA auch für ein Scoping Review?
Für Scoping Reviews nutzt du die eigene Erweiterung PRISMA-ScR statt der Standard-Checkliste. Sie passt die Berichtspunkte an die explorative Logik eines Scoping Reviews an, etwa beim Verzicht auf eine formale Bias-Bewertung. Das überarbeitete Flussdiagramm aus PRISMA 2020 lässt sich dabei weiterhin verwenden.
Wo finde ich die offizielle Checkliste und das Flussdiagramm?
Die offizielle 27-Punkte-Checkliste, die Abstract-Checkliste und die Flussdiagramm-Vorlagen stellt die PRISMA-Statement-Website unter prisma-statement.org kostenlos bereit, jeweils mit Erläuterungen und Beispielen. Nutze diese Originalquellen, statt Vorlagen aus Drittquellen zu übernehmen.
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